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Edwin Moses
 

Die Geschichte der Roten Couch

Der Fotograf Horst Wackerbarth, auf der Ringstraße 1 in der Nähe des Eissees

Nach dem Studium an der Kunstakademie Kassel reiste Wackerbarth mit seinem amerikanischen Freund Kevin Clarke nach New York City. Sie wohnten im Atelier des Malers Russel Maltz. Dessen Eltern hatten Russel eine rote Couch überlassen, nachdem sie sich eine neue Garnitur angeschafft hatten.

Leuchtend rot stand sie da in einer schneeweiß gestrichenen Loft, Wackerbarth und Clarke nächtigten hin und wieder in ihren Schlafsäcken darauf. Irgendwann wurde die Couch von Clarke in ein leer gepumptes Swimmingpool für eine Kunstperformance transportiert. Auf dem Weg entstand auf der Crosby Street in Soho mehr oder weniger zufällig ein Schnappschuss. Für das Möbel der Beginn einer sehr langen und immer noch andauernden Reise …

Nur eine Couch ist jeweils im Umlauf. Allerdings sind drei Sofas verloren gegangen, eines ist bei einem gewagten Schiffsmanöver in den Pazifik gefallen, eines bei einer Feuerwehrübung abgebrannt und eines wurde von Arbeitern einer Ausstellungsstätte für Sperrmüll befunden und versehentlich entsorgt; die Rote Couch befand sich nach harten Einsätzen in einem schlechten Zustand.

Die derzeit amtierende Couch ist seit 1996 im Einsatz und auf ihr haben die meisten Protagonisten Platz genommen.
Sie wird in Abständen neu bezogen und zweimal wurde eine komplette Restauration notwendig, nachdem sie von Löwen und Eisbären erlegt wurde.

Nach all den Reisen und weil so viele unterschiedliche Menschen Platz genommen haben:
Die Rote Couch ist magisch aufgeladen und es darf immer nur eine Rote Couch geben.

Bis heute haben, aufgeteilt in 12 Subprojekte, fast 700 Menschen in 51 Ländern auf der Roten Couch Platz genommen und die universellen Fragen, die Wackerbarth seinen Protagonisten stellt und mit Video aufzeichnet, wurden in 53 Sprachen beantwortet.